Anfang 1945 war im Rüstungsbetrieb "Vorwerk Mitte", wo Triebwerke für die V2-Rakete getestet wurden (Betriebsleiter: Günter Fuchs) nicht mehr viel zu tun. Die als Zwangsarbeiter eingesetzten KZ-Häftlinge wurden anderweitig beschäftigt, u.a. mit Entladen von Eisenbahnwaggons voller Waren, die vor den anrückenden Alliierten versteckt werden sollten. Zwei Kanister trinkbarer Alkohol führten zu einer gelockerten Stimmung bei den Häftlingen und zu einer lustig-verzweifelten Stimmung bei den Bewachern. "Sie baten uns, während des Rückmarsches zu singen", schreibt Ryszard Kessler. "Wir sangen alle Lagerlieder: 'Die blauen Dragoner', 'Tirol, Tirol', 'Emserland', 'Das Dörflein im Walde' ... Lagerlieder, die wir in Auschwitz, Neuengamme und Buchenwald täglich nach dem Abendappell stundenlang singen mussten. ... Jetzt aber war es ein Vergnügen. Es störte keinen, dass es Militärlieder waren. Das Lied 'Tirol, Tirol' hatte den Refrain:
Die Wolken ziehn dahin,
sie ziehn auch wieder her,
der Mensch lebt nur einmal
und dann nicht mehr."
Tirol, TirolIch behaupte nicht, dass es da eine direkt Verbindung gibt. Soldatenlieder aus dem Ersten Weltkrieg waren einfach bekannt. Aber interessant ist es schon, was sich in den Übersetzungen von Erika Fuchs wiederfindet.